Gedanken zum Monatsspruch März
Da weinte Jesus.
Evangelium nach Johannes,
Kapitel 11, Vers 35
Überrascht es Sie, wenn Sie lesen, dass Jesus geweint hat?
Wie stellen Sie sich den Mann aus Nazareth eigentlich vor?
Ist er für Sie ein ganz normaler Mensch wie du und ich? Oder haben Sie das Bild eines der Jesus-Darsteller aus einer der zahlreichen Verfilmungen mit langen Haaren, Vollbart, weißem Gewand und Sandalen vor Augen?
Oder sehen (?) Sie die ganze Sache etwas abgeklärter, indem Sie die Botschaft und Taten dieses Jesus in Ruhe bedenken, sich aber kein konkretes Bild seiner Erscheinung von ihm machen?
Es ist sicher kein Zufall, wenn der Evangelist Johannes auch berichtet, dass Jesus (wörtlich:) „die Augen übergehen“. Das Ganze ereignet sich am Grab seines verstorbenen Freundes Lazarus. Weint Jesus über den Verlust eines geliebten Menschen oder über die Trauer der Angehörigen und Freunde des Verstorbenen, da diese Jesu Botschaft von der Auferstehung scheinbar nicht verstanden und angenommen haben?
Das muss kein Widerspruch sein. Denn als Mensch spürt Jesus den Schmerz und Verlust des Freundes sicherlich genauso wie wir. Zugleich ist es wohl aber auch für den Gottessohn enttäuschend, wenn seine Predigten und Gespräche zum Reich Gottes und zum ewigen Leben bei den Menschen nicht wirklich angekommen sind.
Jesus kommt mir so näher. Er erscheint mir nicht mehr so unnahbar. Ich halte meinen neuen, andersartigen Eindruck vom Mann aus Nazareth aus und eile nicht gleich zum happy end der Geschichte, wenn Jesus Lazarus von den Toten auferweckt. Vielmehr möchte ich die Spannung noch ein wenig länger aushalten, so wie die Passionszeit vor Ostern uns einlädt, in diesen sieben Wochen vor dem großen und freudigen Fest der Auferstehung Christi auch an das vorhergehende Leiden Jesu zu denken.
Denn es gibt kein Ostern ohne Karfreitag!
Ihr Pfarrer Michael Schaefer
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