Gedanken zum Monatsspruch Oktober

 

Wie es dir möglich ist:

Aus dem Vollen schöpfend – gib davon Almosen!

Wenn dir wenig möglich ist, fürchte dich nicht,

aus dem Wenigen Almosen zu geben!

Buch Tobias (Tobit)

Kapitel 4, Vers 8

 

Das sind wir irgendwie gar nicht gewohnt, dass uns jemand direkt dazu auffordert, Almosen zu geben. Schließlich gibt es doch die Sozialhilfe, die einspringt, wenn jemand in Not gerät. Wenn im Fernsehen eine Spendengala läuft, dann ist es etwas ganz Anderes. Oder wenn ich beim Einkaufen jemanden betteln sehe… .

Außerdem klingt Almosen nach „milde Gabe“, „gönnerhaft gegebenes Geschenk“, was aber letztlich nur wenig wert ist. Und jemanden nur mit einem Almosen abspeisen, das geht gar nicht.

Ursprünglich hat Almosen durchaus etwas mit „Mitleid und Mildtätigkeit“ zu tun. Denn es darf mich doch nicht einfach unberührt lassen oder mir gar egal sein, wenn mein Mitmensch in Not ist und leidet. Und wenn ich ihm oder ihr schon nicht praktisch helfen kann, sollte dies doch zumindest mit einer guten Gabe geschehen.

Ja, es stimmt! Mit meinen Mitteln kann ich nicht die ganze Welt retten und auch nicht jedem helfen. Doch wie heißt es am Anfang des Monatsspruchs: „Wie es dir möglich ist:“ Es ist auch nicht immer nur Geld, das meinem Mitmenschen fehlt, oft tut ihm oder ihr ein gutes Wort oder eine helfende Hand mindestens genauso gut.

 

Übrigens: auch wenn Martin Luther das Buch Tobias (Tobit) und die übrigen apokryphen Schriften in der Bibel als nicht unbedingt „heilsnotwendig“ eingestuft hat, so hielt er sie dennoch für „nützlich und gut zu lesen“.

 

Ihr Pfarrer Michael Schaefer

 

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