Gedanken zum Monatsspruch September

 

„Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?“

(Mt 16,26)

 

Was ist die Seele?

Gibt es sie überhaupt?

Wenn ja, wo? Herz oder Hirn, Körper oder Geist?

 

Über diese Fragen wurde schon vor vielen tausend Jahren gestritten und wird es auch jetzt noch, und eine Lösung ist längst nicht in Sicht – sofern es darauf überhaupt eine geben kann. Fest steht nur: Da ist „mehr“, „mehr“ als der Körper und „mehr“ als der Verstand oder die Vernunft. Doch was macht dieses „Mehr“ aus? Wir kennen viele Redewendungen, die sich um die Seele drehen: Zum Beispiel in Bezug auf das Engagement „mit Leib und Seele“; oder das Gefühl in einer glücklichen Beziehung, mit dem Anderen „ein Herz und eine Seele“ zu sein. Doch Seele ist nicht nur mit Erfüllung und Zufriedenheit verbunden: So kann etwas „jemandem auf der Seele brennen“, sodass man gar aus Verzweiflung „sich die Seele aus dem Leib schreit“.

 

So unterschiedlich diese Redensarten auch sind, sie alle versuchen, eine unglaubliche, uns ganz und gar vereinnahmende Intensität in Worte zu fassen: Wir „haben“ nicht nur Seele, wir „sind“ Seele.

Wir sind leibhaftige, lebende Seele in dieser Welt, aber „was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?“ Was habe ich von einem Leben, wenn ich mit mir selbst nicht zu leben vermag?

 

Jesus wartet keine Antwort seiner Jünger auf diese Frage ab – doch das ist auch gar nicht nötig. Hier konkretisiert sich in seiner Botschaft wieder einmal das, was schon das Alte Testament sagt: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“

 

Die Bedeutung dieser letzten drei Worte ist nicht zu unterschätzen: Natürlich ist es unerlässlich für ein gelingendes Leben, unseren Mitmenschen wertschätzend und respektvoll zu begegnen, doch möglich wird das erst dann, wenn wir dieses Verhalten auch uns selbst gegenüber leben und „Ja“ zu uns sagen können.

 

 

Cand theol. Lena Schaefer

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