Gedanken zum Monatsspruch September

 

Besser eine Hand voll mit Ruhe

als beide Fäuste voll mit Mühe

und Haschen nach dem Wind.

 

Kohelet (Prediger)

Kapitel 4, Vers 6

 

 

Ein wenig erinnert mich der aktuelle Monatsspruch an die alte Volksweisheit „Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach“.

Beide Sprichworte warnen davor, immer mehr haben zu wollen und nicht zufrieden zu sein mit dem, was man hat.

Auch Jesus warnte vor dem ständigen Streben nach immer mehr: Und er sprach zu ihnen: „Seht zu und hütet euch vor aller Habgier; denn niemand lebt davon, dass er viele Güter hat.“ (Lukasevangelium, Kapitel 12. Vers 15) und zur Verdeutlichung erzählte Jesus das Gleichnis vom reichen Kornbauern, der immer mehr Vorräte anhäuft und meint, auf Jahre hin vor- und ausgesorgt zu haben. Jedoch endet sein Leben plötzlich und unerwartet und es stellt sich die Frage, was ihm sein Besitz vor seinem Schöpfer nützt.

Neben der Warnung vor dem andauernden Bemühen um immer mehr verbunden mit ständiger innerer Unruhe entdecke ich im Monatsspruch eine versteckte überaus positive Botschaft.

Wenn ich mit einer meiner Hände zufrieden und vielleicht sogar das halte, was Gott oder ein lieber Mitmensch mir geschenkt hat, dann habe ich meine andere Hand noch frei und leer, um sie mit mehr oder etwas ganz Neuem füllen zu lassen.

Paul Gerhardt hat das in einem seiner Lieder so ausgedrückt:

„Gib dich zufrieden und sei stille / in dem Gotte deines Lebens!

In ihm ruht aller Freuden Fülle, / ohn ihn mühst du dich vergebens;

er ist dein Quell und deine Sonne, / scheint täglich hell zu deiner Wonne.

Gib dich zufrieden!“

(im Evangelischen Gesangbuch Nr. 371)

Ihr Pfarrer Michael Schaefer 

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